Fragen & Antworten

Das Interview wurde am 12. März 2020 von Roberto Chinchero in Melbourne, Australien, geführt

Sebastian Vettel: Ferrari wird manchmal "missverstanden"

Wie sich sein Blick auf das Leben verändert hat, was er mit Ferrari noch erreichen will und wo er sich in zehn Jahren sieht: Ein Interview mit Sebastian Vettel.

Es ist Donnerstagnachmittag im Formel-1-Paddock in Melbourne. Im idyllischen Albert Park liegt zwar ein Hauch von Verunsicherung in der Luft, aber ansonsten deutet wenig darauf hin, dass der Grand Prix von Australien in wenigen Stunden abgesagt wird. Wegen der Coronavirus-Pandemie, die zu dem Zeitpunkt zwar längst bekannt, aber noch nicht medial omnipräsent ist.

Im Fahrerlager ist das Treiben genauso emsig wie sonst auch, und genau vor diesem Kontext muss man das nachfolgende Interview betrachten, das wir in der Ferrari-Hospitality mit Sebastian Vettel geführt haben.

Der 32-Jährige, inzwischen Vater von drei Kindern, hat zum Zeitpunkt des Gesprächs noch keine Ahnung davon, dass er ein paar Stunden später nicht in seinem Ferrari SF1000, sondern im Flieger zurück in die Schweiz sitzen wird, in der gleichen Maschine wie sein ehemaliger Teamkollege und Kumpel Kimi Räikkönen.
Die Lebensprioritäten, das kann man anno 2020 raushören, wenn man mit Vettel spricht, haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verschoben. Das Ziel, mit Ferrari Weltmeister zu werden, genau wie das einstige Vorbild Michael Schumacher, ist immer noch das Epizentrum seines beruflichen Handelns.
Aber es gibt neben dem Formel-1-Fahrer Sebastian Vettel jetzt auch den Familienvater Sebastian Vettel.

Vettel: "Für mich ist dieser Sport mein Leben"

Frage: "Sebastian, was ist in einer besonderen Situation wie dieser die Aufgabe des Sports?"
Sebastian Vettel: "Für mich ist dieser Sport mein Leben. Die Formel 1 bietet jede Menge Inhalte, aber für viele Menschen, die uns verfolgen, ist dieser Inhalt auf zwei Stunden am Sonntagnachmittag beschränkt. So gesehen ist unsere Aufgabe reine Unterhaltung, wenn man es mal aufs Wesentliche runterbricht."
"Im Moment, so wie wir heute am Donnerstagnachmittag hier sitzen, ist ganz schwierig vorherzusagen, in welche Richtung sich das alles entwickelt und was passiert. Das kann keiner seriös beantworten. Aber bis zu einem gewissen Grad ist es auch gut, so viel Normalität zu bewahren wie möglich. Wenn die Menschen schon ihren Alltag komplett umstellen müssen, ist es gut, wenn da auch ein bisschen Normalität übrigbleibt."

Vettel spricht noch in der Annahme, dass der Grand Prix von Australien planmäßig stattfinden wird. Erst am Freitagmorgen, kurz vor Trainingsbeginn, wurde der Event abgesagt. Da saß er schon längst im Flieger. Vettel hatte zuvor in der FIA-Pressekonferenz angedeutet, dass die Fahrer notfalls "die Handbremse ziehen" müssen, wenn der Formel 1 die Sache entgleitet. Ein solcher Streik war dann gar nicht mehr notwendig, weil die Herren Formel-1-Chefs doch noch zur Besinnung kamen.

Vettel fährt fort: "Gleichzeitig legen wir jedes Mal, wenn wir vor die Haustür gehen, einen Teil unserer Verantwortung in die Hände anderer Menschen. Zum Beispiel sind wir alle in den Flieger hierher, nach Australien, gestiegen. Ich glaube, niemand hat Sie gezwungen, in den Flieger zu steigen, oder? Und mich auch nicht. Es war unsere freie Entscheidung, am heutigen Medien-Donnerstag hier zu sitzen und miteinander zu sprechen."

"Aber uns muss bewusst sein, was auf der ganzen Welt los ist. Das betrifft auch jeden Fan, jeden freiwilligen Helfer an der Strecke, jeden Fahrer, jedes Teammitglied: Jeder muss die Vorkehrungen treffen, die er für sich als richtig empfindet."

Frage: "Sie träumen davon, Weltmeister zu werden. Verändern sich die Prioritäten in so einer Situation? Letztendlich ist es trotz allem nur ein Sport ..."
Vettel: "Ja. Hat was mit Perspektive zu tun. Wenn du 15 bist und auf die Kartbahn gehst, da hast du eine andere Perspektive als mit 30. Das lehrt uns das Leben."
"Manche lernen solche Dinge schneller, manche langsamer. Das ist eine Frage der Persönlichkeit. Wer bist du eigentlich, was ist dir wichtig? Und so weiter. Zu denken, dass die Formel 1 das Zentrum des Universums ist, wäre ignorant. Es dreht sich nicht alles um die Formel 1."
"Dass ich drei Kinder und ein gewisses Alter habe, hilft mir dabei, das einzuordnen. Aber die Formel 1 ist und bleibt meine große Leidenschaft und ein großer Teil meines Lebens. Natürlich spielt sie für mich persönlich eine zentrale Rolle."

Vettel: Je älter man wird, desto mehr ändern sich die Prioritäten

Frage: "Die jungen Fahrer wollen das Rennen unbedingt fahren. Lewis, Kimi, Sie haben eine ganz andere Meinung. Sie haben die gleiche Leidenschaft, aber trotzdem eher den Blick auf das große Ganze. Würden Sie das selbst auch so wie ich formulieren?"
Vettel: "Vielleicht. Ich glaube aber, das ist ganz normal. Das Leben verändert einen. Man macht Erfahrungen und zieht daraus seine Lehren."
"Ich muss ja zugeben: Vor 15 Jahren gab's für mich auch nix anderes als Rennfahren. Alles hat sich nur darum gedreht. Das hat sich auch bei mir verändert. Nicht dass meine Leidenschaft kleiner geworden wäre - ganz und gar nicht! Aber du siehst halt einfach über den Tellerrand hinaus. Der Horizont wird größer und du kriegst mehr mit."
"Ich bin auch gut zehn Jahre rund um die Welt gereist, dank meiner Arbeit, und da macht man sich natürlich so seine Gedanken, was sich alles ändert. Es entwickeln sich neue Interessen. Man wird mit der Zeit einfach reifer."

Vettel war gerade mal 19 Jahre jung, als er im Freitagstraining zum Grand Prix der Türkei 2006 bei seiner ersten offiziellen Formel-1-Session gleich Bestzeit erzielte. Als Testfahrer von Sauber-BMW. Ein Jahr später bestritt er seinen ersten Grand Prix: In Indianapolis fuhr er als Ersatzmann von Robert Kubica auf Anhieb in die Punkteränge. Die Bild-Zeitung hatte endlich ihren neuen "Baby-Schumi" ...

Frage: "Sie stehen jetzt vor ihrer 13. vollen Saison in der Formel 1. Wie fühlt sich das an? Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Rennen am Beginn der Saison 2008?"
Vettel: "Das war hier. Mein Teamkollege Bourdais ist in die Punkte gefahren und ich habe mich in der ersten Kurve gedreht. Ein Unfall, glaube ich. Sind viele ausgeschieden damals. Jeder, der ins Ziel gekommen ist, hat Punkte mitgenommen. Einer davon war eben Bourdais, in seinem ersten Rennen. Für mich war es ein schwarzer Tag. Aber für Toro Rosso war es super, in den Punkterängen zu sein."

Frage: "Ist das Gefühl vor dem ersten Rennen heute anders als damals?"
Vettel: "Schon ähnlich, aber anders. Natürlich war ich damals viel nervöser, weil ich keine Ahnung hatte, was auf mich zukommt. Es war mein erstes Rennen, ich kannte die Strecke nicht, viele Fragezeichen."
"Das ist jetzt natürlich anders. Ich kenne die Strecke, und nach zehn Jahren sagt man sich dann auch: 'Kenne ich alles schon.' Daraus entsteht ein gewisses Grundvertrauen. Aber natürlich bin ich vor dem Qualifying am Samstag und dem Rennen am Sonntag immer noch aufgeregt. Das ist auch wichtig. Wenn diese Aufregung einmal weg ist und man gar nicht mehr nervös ist, wenn es einem egal wird, dann ..."
"Während der Vorbereitung bin ich wegen meiner Routine aber viel entspannter als früher. Die Pause wird auch immer kürzer. Abu Dhabi ist noch gar nicht so lang her. Aber wenn wir dann alle in der Startaufstellung stehen, da denke ich dann schon: 'Jetzt ist der Zeitpunkt da, jetzt kommt's drauf an!' Und das ist immer noch sehr, sehr aufregend."

Mercedes für Vettel Favorit auf den WM-Titel 2020

Frage: "Nach den Barcelona-Tests haben Sie die Daten analysiert, Sie haben ein Gefühl für das Auto bekommen. Welches? Von außen sind solche Dinge immer schwierig einzuordnen."
Vettel: "Du weißt natürlich, was du da tust. Aber was du nicht weißt, was die anderen tun. Als komplett Außenstehender hast du wahrscheinlich gar keine Ahnung, was irgendwer tut!"
"Man kann aber schon sagen, dass Mercedes unter allen Bedingungen schnell war, ganz egal ob mit viel oder wenig Benzin an Bord. Sehr viel mehr weiß ich auch nicht. Die Motorenmodi, Batteriemanagement, das wissen wir alles nicht. Andererseits ist klar, dass beim Testen keiner versucht, das Rad neu zu erfinden. So ungefähr kann man schon erahnen, was die anderen tun."
"Ich glaube, dass wir einen Schritt nach vorn gemacht haben. Die Frage ist: Ist er groß genug? Momentan wahrscheinlich nicht. Wir sehen Mercedes und Red Bull vor uns, aber wir müssen abwarten. Bis jetzt ist noch keiner ein Qualifying gefahren. Vielleicht gibt's am Samstag eine positive Überraschung. Das ist jetzt mal unser Ausgangspunkt, und von da aus schauen wir weiter."
"Die Herausforderung wird sein, dass wir dieses Jahr größere Entwicklungsschritte machen müssen. Es wird eine lange Saison, manche Rennen werden vielleicht verschoben. Aber die Weiterentwicklung während der Saison war die vergangenen paar Jahre immer enorm wichtig."
"Du kannst hier gewinnen und dominieren, du kannst das zweite Rennen gewinnen und dominieren. Aber das bedeutet nicht, dass du bis zum letzten Rennen durchgehend Nummer 1 bist."

Frage: "War vor ein paar Jahren ja schon mal so, wie Sie wissen ..."
Vettel: "Genau. 2017 waren wir sehr stark. Wir waren im Qualifying ein bisschen hinten, weil wir nicht die gleiche Power wie Mercedes hatten. Aber sonst waren wir sehr stark. Unter Rennbedingungen waren wir die Besten. Das konnten wir aber nicht die ganze Saison hindurch halten. Am Ende haben wir die WM verloren, weil wir in den letzten fünf, sechs Rennen nicht schnell genug waren."

Vettel: So sieht er seine Zukunft in der Formel 1

Frage: "Ich werde Sie nicht fragen, was Sie nächstes Jahr vorhaben. Aber wo sehen Sie sich in fünf oder sechs Jahren?"
Vettel: "Natürlich denke ich darüber nach. Realistisch betrachtet werde ich in zehn Jahren nicht mehr hier sein."

Frage: "Kimi ist auch noch da. Vor zehn Jahren hätte das kein Mensch geglaubt!"
Vettel: "Stimmt, das ist die große Überraschung. Aber eins haben alle Sportler gemeinsam: Unsere Zeit ist begrenzt. Ob du nun Fußballer bist, Tennisspieler, Rennfahrer oder Segler im America's Cup: Du hast immer eine bestimmte Anzahl an Jahren. Manche Karrieren sind kürzer, manche länger."
"Die einzige Ausnahme sind vielleicht Schachspieler, denn das spielt sich in erster Linie im Kopf ab. Aber sobald der Körper ins Spiel kommt, spielt das Alter eine Rolle. Daher habe ich natürlich schon über diese Dinge nachgedacht. Mit 30 oder 32 Jahren stellt man sich die Frage, was man in zehn Jahren tun wird, öfter als mit 20."
"Mit 20 kann es noch sein, dass in zehn Jahren nicht viel anders sein wird. Aber wenn du 30 bist, ist klar, dass deine Zeit zu Ende geht, auch wenn du es vielleicht gar nicht möchtest. Es wäre dumm, das zu ignorieren. Das bedeutet aber nicht, dass ich jeden Morgen aufstehe und mich frage, was ich in fünf Jahren tun werde. Ich sehe das ganz entspannt."
"Ich befinde mich in der glücklichen Position, dass ich verschiedene Dinge ausprobieren kann, wenn ich einmal mit der Formel 1 aufhöre. Ich kann andere Rennen fahren, vielleicht etwas anderes im Motorsport anpacken oder etwas ganz anderes machen."

Frage: "Eine neue Herausforderung?"
Vettel: "Ja, eine neue Herausforderung. Ich habe da schon ein paar Ideen, ich habe mich aber noch nicht entschieden. Ich bin ja noch da."

Frage: "Als Sie zu Ferrari gekommen sind, wollten Sie das Team wieder an die Spitze führen. Ist das Gefühl immer noch das gleiche wie 2015?"
Vettel: "Das Ziel ist noch das gleiche, weil wir ja noch nicht an der Spitze sind. Mercedes hat uns in den vergangenen Jahren geschlagen, also haben wir da eine Mission vor uns."
"Wir sind jetzt schon viele Rennen gefahren und haben dabei Erfahrungen gesammelt. Es waren auch einige sehr schöne Momente dabei. Einige waren weniger schön, aber das Ziel ist nach wie vor, unsere Mission zu erfüllen: mit Ferrari Weltmeister zu werden."

Vor einem Jahr war Vettels Welt noch eine ganz andere als heute. Es gab zwar Stimmen, die vorhersagten, dass ihm der junge Leclerc das Leben schwermachen könnte; grundsätzlich ging er aber als unumstrittene Nummer 1 in die Saison 2019. 2020 ist das anders: Leclerc ist der neue Wunderknabe der Scuderia, wurde mit Vertrag bis Ende 2024 ausgestattet - während Vettels Zukunft nach 2020 bisher nicht in trockenen Tüchern ist.

Vettel: "Egal, ob Charles fünf Punkte mehr hat oder ich"

Frage: "Beim Ferrari-Launch wurden Ihnen viele Fragen über Ihre Zukunft gestellt, über die von Lewis Hamilton und Charles Leclerc. Das war anders, als noch Kimi Räikkönen Ihr Teamkollege war. Tangiert Sie das?"
Vettel: "Letztendlich ist doch egal, ob Charles fünf Punkte mehr hat oder ich, nicht wahr? Das Wichtigste ist, dass wir als Team in die richtige Richtung gehen."
"2019 war ein großer Rückschritt, weil wir nicht so stark waren wie die Jahre davor. Dafür gibt es Gründe. Die müssen wir verstehen und eliminieren und dann wieder Fortschritte machen. Ob ich jetzt fünf Punkte mehr oder weniger habe als Charles, ist mir derzeit ehrlich gesagt wurscht. Unser Ziel ist, Ferrari wieder an die Spitze zu bringen."
"Die Fragen sind nach jedem Ergebnis andere. Was das betrifft, ist die Zeit einfach kurzlebiger geworden. Wenn du einen schlechten Tag hattest, ist bis zum nächsten Rennen alles Katastrophe. Und wenn du einen guten Tag hattest, bist du wochenlang der Größte. Es war immer so, aber die Wechselintervalle sind schneller geworden."
"Das ist wahrscheinlich nicht nur in der Formel 1 so, sondern in allen Bereichen der Gesellschaft. Ich bin ja jetzt kein Finanzexperte, aber selbst der Aktienmarkt geht einen Tag rauf und den nächsten runter."
"Vor 15 Jahren wären die Anleger bei solchen Kursbewegungen noch in Panik ausgebrochen. Jetzt ist es ganz normal, dass die Indizes mal zwei Prozent im Plus sind oder drei im Minus, und das an einem Tag. Vor 20 Jahren hat man nach drei Prozent gesagt: 'Wir haben ein Problem, was können wir unternehmen?'"

Frage: "Sie sind in der Formel 1 schon viele Autos gefahren. Von 2008 bis 2010 waren die in Sachen Gewicht noch sehr leicht. Jetzt werden die Autos immer schwerer. 2021 schon wieder."
Vettel: "Und damit langsamer."

Frage: "Wie stehen Sie als Rennfahrer dazu?"
Vettel: "Die Autos, die wir gerade haben, sind von der Downforce her phönomenal. Es ist unglaublich, wie viel Downforce wir haben und wie schnell die Autos in mittelschnellen bis schnellen Kurven sind."
"Aber in langsamen Kurven, da spürst du das Gewicht. Du spürst das, wenn du das Auto in einer Schikane von einer Seite auf die andere schmeißt. Ich finde, die Autos sind zu schwer geworden. Von mir aus könnten wir ruhig auf ein bisschen Downforce verzichten und dafür die Autos leichter machen. Insgesamt wären die Rundenzeiten gleich, vielleicht sogar schneller. Tja."
"Ist so gekommen, weil wir diese Power-Units wollten und alles, was damit einhergeht. Auch Sicherheitsmaßnahmen, die wir nicht rückgängig machen wollen und die richtig sind. Halo allein wiegt zehn Kilo. Vielleicht könnte man es ein bisschen leichter bauen, ohne die Widerstandsfähigkeit zu reduzieren. Aber einige Kilos kann man nicht einsparen."
"Über andere Dinge kann man meiner Meinung nach schon reden. Es war auf jeden Fall toll, als die Autos noch 600 bis 620 Kilo hatten. Jetzt haben wir mindestens 750."

Vettel: Formel-1-Autos müssten mehr wie Karts sein

Frage: "Und das mit diesen Reifen ..."
Vettel: "Ja. Da fühlt sich das Fahren ganz anders an. Im Kart hast du bei weitem nicht so viel Power, aber was dich am meisten überrascht, ist das Gewicht im Vergleich zur Power. Und weil ein Kart so leicht ist, kannst du es manövrieren, es ist extrem wendig. In Relation bist du damit sehr schnell. Ein Kart hat null Aero, daher ist es nicht schnell genug. Aber das ist genau das, was uns fehlt: dieses Gefühl des Herumspielens. Die Masse bewirkt eine Trägheit, und die spürst du."

Frage: "Sie sammeln Ihre alten Karts und Rennautos, richtig?"
Vettel: "Ich mag generell alte Sachen. Ich liebe die Geschichte des Sports. Ja, ich habe das Glück, dass ich ein paar von meinen alten Autos besitze."

Frage: "Auch Formel-1-Autos? Fahrbereit?"
Vettel: "Mit dieser modernen Generation ist das unmöglich. Mit denen davor ist es auch ein bisschen komplexer als einfach den Startknopf zu drücken, aber theoretisch kann man mit denen leichter fahren als mit den ganz modernen."

Frage: "Heute braucht man mindestens drei, vier Mechaniker dafür, nicht wahr?"
Vettel: "30!"

Frage: "Nur drei Fahrer im Starterfeld haben ihr Cockpit für nächstes Jahr sicher. Das wird ein großes Thema werden."
Vettel: "Ja? Von Charles weiß ich."

Frage: "Charles Leclerc, Max Verstappen und Esteban Ocon. Geht es dabei auch ums Geld? Nicht so sehr des Geldes auf dem Konto wegen, sondern weil der eine Fahrer mehr verdienen will als der andere? Ayrton Senna war es immer wichtig, der bestbezahlte Fahrer zu sein."
Vettel: "Hängt halt davon ab, was einem wichtig ist, was einen antreibt. Wenn Geld dich antreibt, dann kann dich das sehr weit tragen und erfolgreich machen. Es gibt viele Sportler und Geschäftsleute, für die Geld die Hauptmotivation ist."
"Die Frage ist, ob es auch ein Gespür dafür gibt, wann man genug hat. Das gilt nicht nur für die Formel 1. Die Formel 1 ist ein Zirkus, manchmal ein verwöhnter Zirkus. Hier geht's um so viel Geld, und Geld verdirbt bei einigen den Charakter. Im Großen und Ganzen kann man das schon so sagen."
"Die Frage ist, ob jemand das Gespür dafür hat, wann er genug hat. Irgendwann ist Geld nicht mehr das Wichtigste. Es geht dann mehr um die Wertschätzung, die damit einhergeht. Es gibt nicht viele Menschen, die unseren Job machen können. Wir riskieren gewissermaßen auch unser Leben. Das muss wertgeschätzt werden. Einige Karrieren sind auch kürzer als andere."
"Aber das Wichtigste ist doch, dass du glücklich bist. Darauf kommt es an."

Vettel zählt sich nicht zu denen, die Geld brauchen, um sich für das Rennfahren zu motivieren. Sicher nicht nur, weil er genug davon hat. Die Zahlen, die in den Medien kursieren, sind immer mit Vorsicht zu genießen. Aber selbst wenn man die 40 bis 45 Millionen Euro Jahresgage, die er 2020 angeblich verdient, konservativ nach unten korrigiert: Im Verlauf seiner Formel-1-Karriere müssten jenseits von 200 Millionen Euro zusammengekommen sein.

Vettel: Wechsel in ein Mittelfeld-Team nicht ausgeschlossen

Frage: "Kannst du dich auch in einem Mittelfeld-Team sehen? Mit der gleichen Motivation, der gleichen Leidenschaft?"
Vettel: "Ich weiß es nicht. Ehrliche Antwort! Ich weiß es wirklich nicht."
"Ich habe bei Toro Rosso angefangen und bin dann zu Red Bull gewechselt. Red Bull wurde ziemlich rasch zu einem Siegerteam. Aber als ich bei Toro Rosso angefangen habe, im ersten Jahr, mit Vitantonio Liuzzi, da waren wir mal 17., mal 15. der Startaufstellung. Wir kämpften um nichts. Das Jahr darauf war sensationell, weil wir auf einmal mitfighten konnten. Am Jahresende waren wir regelmäßig Top 10."
"Es hängt also von der Perspektive ab. Wenn du anfängst, sind Top-10-Plätze super, Top-5-Plätze unglaublich. Wenn du zehn Jahre in den Top 5 warst, dann fühlt sich ein 15. Platz aber plötzlich ganz anders an. Wenn du jahrelang 18. warst und auf einmal 15. werden kannst, ist es das beste Gefühl aller Zeiten."
"Ich glaube nicht, dass man rückgängig machen kann, was man erlebt hat. Nehmen wir Kimi: Er fährt nicht mehr um Siege, würde aber gern. Aber du kannst auch Freude dran haben, für dich selbst Rennen zu fahren, ohne zu gewinnen."

Frage: "Du bist jetzt seit fünf Jahren ein halber Italiener, sozusagen. Was sind für dich die Stärken und Schwächen der Italiener?"
Vettel: "Wir haben alle unsere Höhen und Tiefen, unsere Wellenbewegungen. Manches ist gut, manches ist schlecht. Das ist wahrscheinlich in jeder Kultur so. Die Lebensfreude der Italiener ist sicher eine ganz andere als die der Deutschen. Wie soll ich das jetzt am besten erklären?"
"Nehmen wir zum Beispiel das Essen. In Italien geht es nicht nur um das Essen an sich, sondern ein Essen ist ein gesellschaftliches Ereignis. Die Italiener legen viel mehr Wert drauf. Sie setzen sich gemeinsam an einen Tisch, genießen das, haben eine gute Zeit, vergessen alles andere und leben im Moment. Das ist eine große Stärke, finde ich."
"Ich bin aber wahrscheinlich nicht prädestiniert dafür, diese Frage zu beantworten. Ich bin weder besonders deutsch noch übermäßig italienisch. Ein bisschen ein Hybrid!"

Frage: "Schweizer eben!"
Vettel: "Genau (lacht; Anm. d. Red.)! Die Stärke unseres Teams ist die Leidenschaft für Ferrari. Das treibt die Leute jeden Morgen an, zur Arbeit zu gehen. Ferrari ist eine Legende, ein Mythos. Teil dieser Geschichte zu sein, ist etwas Besonderes."
"Ferrari ist einerseits sehr italienisch, mit sehr italienischen Regeln und Traditionen. Es ist toll, dass das bewahrt wird. Gleichzeitig ist Ferrari aber auch sehr modern. Das wird manchmal missverstanden, wenn von außen auf Ferrari und Italien geschaut wird, weil es viel Tradition gibt, 'La Mama', und so weiter."
"Aber die Leute sind sehr zukunftsorientiert und wir haben viele junge Talente in unserem Team, mit kreativen, tollen Ideen. Es ist daher schade, dass wir von den Ergebnissen her noch nicht den großen Durchbruch hatten."
"Aber ich bin davon überzeugt, dass uns das eines Tages gelingen wird."

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01 | 11 | 2020

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