Großer Talk zum Thema Formel 1

„Sport und Talk aus dem Hangar-7”
Montag, 14. Mai 2012 von 21.05 - 23.00 Uhr

Analyse des Spanien-Grand-Prix in Barcelona

 

mit:
Sebastian Vettel (Doppel-Weltmeister/Red Bull Racing)
Mark Webber (zweimaliger WM-Dritter/Red Bull Racing)
Christian Horner (Teamchef Red Bull Racing)
Niki Lauda (dreimaliger Weltmeister)
Jacques Schulz (Sky)

Moderator: Andi Gröbl

Sebastian Vettel (Doppel-Weltmeister/Red Bull Racing) über sein Rennen in Barcelona und die derzeitige Unsicherheit im Team: „Ich denke wir waren uns ziemlich sicher, was wir zu tun hatten an dem Sonntag.

Man muss sich zunächst immer an die eigene Nase greifen, und wir sind vielleicht noch nicht da, wo wir sein wollen. Es ist natürlich schon eine große Überraschung gewesen, dass ein Team, das vorher noch nicht so sehr aufgefallen ist, nach Spanien kommt und das Rennen gewinnt. Wenn man sich die Testzeiten im Winter, wo wir in Barcelona waren, ansieht, da war Williams nie in der Position wo wir gesagt haben 'Ok, die muss man auf dem Zettel haben“, die waren einfach zu weit weg.“
Sebastian Vettel darüber, ob er denn auch heuer so viel Spaß wie letztes Jahr hat, wo ja derzeit doch nicht alles glatt läuft: „Was den Spaß und die Faszination und auch den Willen angeht, wirklich das letzte Bisschen herauszuholen, der ist nach wie vor ungebrochen. Ich glaube, das hat sich auch nicht verändert, auch wenn die Reifen stärker abbauen, als vielleicht vor 2 oder 3 Jahren. Es gibt immer Dinge an die man sich als Fahrer anpassen muss, aber ich glaube trotzdem, dass man immer noch den Unterschied machen kann, hie und da vielleicht ein bisschen ausgeliefert ist, aber das heißt nicht dass man keinen Spaß mehr daran hat. Es wäre falsch wenn man heute Abend aufsteht und mit dem Gefühl geht, dass keine Hoffnung mehr herrscht, oder dass die Fahrer den Glauben an die Formel 1 verloren haben, weil das ist Schwachsinn.“
Sebastian Vettel über die härtesten Konkurrenten: „Man muss sich die ersten fünf Rennen anschauen und letzten Endes lässt sich schon herauskristallisieren wer vielleicht im engeren Kreis ist. Ich denke, abgesehen von uns zwei (Vettel, Webber, Anm.) – hoffentlich – wird ein Fernando dabei sein. Einfach weil er einer der Besten ist, weil er konstant ist. Genauso beide McLaren-Fahrer. Also in der Hinsicht kann man schon sagen, wer vielleicht am Ende des Jahres da sein wird, aber genau lässt sich das im Moment nicht sagen – vor allem wenn es so weiter geht.“
Sebastian Vettel darüber, ob die Reifen auch beim Gran-Prix in Monaco eine so wesentliche Rolle spielen werden: „In Monte Carlo ist es zunächst wichtig dass man im Qualifying ganz vorne steht. (…) Ich glaube schon dass die Reifen eine große Rolle spielen werden. Einerseits was die Strategie angeht,, wie oft muss ich rein. Aber vielleicht nicht so dominant wie auf einer Strecke wie Shanghai oder Barcelona, wo man wirklich merkt, jetzt bauen die Reifen ab, und wenn jemand wirklich extreme Probleme hat, fahre ich an jeder zweiten Ecke vorbei, ohne dass es mir extrem schwer fällt.“
Sebastian Vettel über den Respekt zwischen den Fahrer und wie dieser z.B. das Verhalten bei Überholmanövern beeinflusst: „Man hat keine Zeit nachzudenken, weil wenn man darüber nachdenkt dann ist die Lücke schon weg. (…) Das passiert einfach, und ich glaube man nimmt schon unterbewusst wahr, wer das ist, und startet dann das Überholmanöver. Oder man sieht es von vornherein gar nicht als Lücke. Wenn der einen oder andere auf der Strecke ist, den man an dem Punkt zwar überholen könnte, dann sieht man es aber vielleicht gar nicht als Option, weil man nicht so recht weiß, wie er dagegen hält.“
Mark Webber (zweimaliger WM-Dritter/Red Bull Racing) über sein Rennen in Barcelona und die ungewohnte Situation überrundet zu werden: „Es war schon sehr komisch, als ich den Führenden des Rennes vorbeilassen musste, das ist mir schon lange nicht mehr passiert. (…) Ich hätte nie gedacht dass ich so weit hinterher hängen würde und nicht mal eine Chance auf irgendwelche Punktränge hätte. Vor allem, wenn man sich ansieht, wer da vorne lag. Als klar war das Pastor gewinnen würde dachte ich mir 'Wow, was für eine Riesenüberraschung'. Er ist auch dem Nichts gekommen und hat gewonnen.“
Mark Webber darüber, dass die derzeitige Situation – wenn man als Fahrer so wenig Einfluss hat – schon ein wenig frustrierend ist: „Ja klar, es ist schon ein wenig frustrierend weil man ja gerne vorne mitfahren möchte, weil ja das Ergebnis zählt. Und wenn du dann so viele Probleme mit dem Auto hast, dann ist es schon irgendwie eng und du merkst einfach dass du hinten dran bist (...) Unser Start in das Jahr war ja ganz ok, aber Barcelona war nicht unser Rennen, jetzt freuen wir uns auf Monte Carlo, aber es ist schon ein bisschen komisch im Moment.“

Christian Horner (Teamchef Red Bull Racing) darüber, dass derzeit die Reifen der entscheidende Faktor in der Formel 1 sind: „Man muss die Reifen verstehen, man muss wissen wie unterschiedliche Temperaturen und Bedingungen sich auf die Autos auswirken. Das ist ein Puzzle, aber das Team, das am konstantesten ist, hält da durch und setzt sich durch. Red Bull ist immer noch führend in der Konstrukteurswertung und Sebastian führt die Fahrerwertung an. Wir haben gestern sogar die Führung noch ausgebaut. Das entscheidende ist aber wirklich, dass man die Reifen versteht.“
Christian Horner auf Niki Laudas Frage, ob Red Bull Racing denn eigentlich auch weiß, warum man in der Meisterschaft führt: „Wir führen, weil wir mehr Punkte geholt haben als alle anderen. Das ist die einfache Antwort. Es ist verwirrend, schwer zu verstehen, was die Reifen machen. Was die Reifen brauchen, wissen wir auch nicht hundertprozentig – das weiß, glaube ich, kaum jemand. Derjenige, der das am schnellsten auf die Reihe kriegt, der wird sich auch durchsetzen.“
Christian Horner darüber, dass die Reifenproblematik für alle die gleiche ist: „Es wird ja viel über die Reifen diskutiert. Das Gute ist, dass das mit den Reifen es für alle gleich ist, das ist das Positive in der Formel 1. Wir wissen, dass wir alle die gleichen Reifen wie die anderen haben, und wir als Team müssen es auf die Reihe bekommen, die verschiedenen Faktoren bedenken, und es optimieren. Das Team, dass das schafft steht am Ende des Jahres vorne.“

Niki Lauda (dreimaliger Weltmeister) über die aktuelle Situation in der Formel 1: „Es ist toll für mich, dass es fünf Rennen mit fünf verschiedenen Siegern gegeben hat. Wir können es uns einfach nicht erklären. Nur wenn das so weiter geht, dann sind wir alle konfus bis Ende des Jahres. Man braucht irgendwann einmal wieder eine Rückkehr in etwas halbwegs Berechenbares, dass die Autos wieder funktionieren – besonders Red Bull, die letztes Jahr alles gewonnen haben, das war schon langweilig. Jetzt ist es aber so konfus, dass man nicht mehr folgen kann. Ich hoffe, dass wir herausfinden, wie man diese Autos wieder dazu bringt, mehrere Rennen mit bekannten Persönlichkeiten kontinuierlich ihre Leistung zu zeigen, dann glaube ich ist das besser für die Formel 1. Bis jetzt war's gut, aber jetzt gehört die Kehrtwende in logisches Abhandeln von gescheiten Rennen.“

 

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